Barhuf

Was ist Barhuf und warum?

Nattan läuft seit Mitte 2010 barhuf, das heißt er hat keine Hufeisen an seinen Hufen. Aus dem einfachen Grund, Eisen geben nicht nach und schränken den natürlichen Hufmechanismus ein.

Auf dieses Thema möchte ich hier nur kurz eingehen, ganz unten habe ich auf eine Seite verlinkt, in der alles sehr ausführlich und gut erklärt beschrieben ist.

Hufeisen sind fest mit dem Huf verbunden und nehmen ihm die Möglichkeit dem natürlichen Hufmechanismus nachzugehen. Auf Dauer kann das viele schädliche Folgen haben. Dem Huf wird das Abrollen erschwert, das ist schlecht für die Sehnen. Weiter dämpft ein Eisen nicht, im Gegenteil, Erschütterungen, besonders wenn über harte Böden geritten wird, werden noch verstärkt.

Hufe wirken als zusätzliche „Blutpumpe“ zum Herzen mit. Wenn ein Pferd mit dem Huf auftritt, wird der Huf quasi gequetscht, Blut wird aus dem Huf weiter im Blutkreislauf gedrückt, hebt der Huf wieder vom Boden ab, fließt wieder mehr Blut hinein. Durch Eisen, die fest mit dem Huf verbunden sind, ist dieser Vorgang eingeschränkt. Daraus können sich Krankheiten ergeben.


Die erste Zeit ohne Hufeisen

Im ersten Jahr, nachdem die Eisen ab waren, bin ich mit Natten sehr viel spazieren gegangen statt ihn zu reiten. Erst einmal nur ein paar Meter, um zu sehen auf welchem Boden er schmerzfrei gehen konnte. Dann sind die Ausflüge Stück für Stück größer geworden.

Ausgeritten mit ihm, bin ich nur auf ausgesuchten Strecken mit Graswegen oder weichem Boden. Wir haben uns langsam heran getastet. Er ging zwar über jeden Boden, allerdings auf Schotterwegen recht „fühlig“. So bald er langsamer oder „fühlig“ ging, bin ich abgestiegen und ließ ihn am Rand des Weges gehen oder da wo er wollte. So konnten wir die erste Zeit überbrücken und mussten nicht ständig in die Halle.

In der ganzen Zeit stand mir eine kompetente und erfahrene Hufpflegerin zur Seite. Und tut es auch weiterhin natürlich 🙂 dafür möchte ich ihr hier, meinen Dank aussprechen!

„Fühlig gehen“

„Fühlig gehen“ bedeutet, dem Pferd ist es unangenehm zu gehen, oder es bereitet ihm sogar Schmerzen. Das kann von steifen Bewegungen bis hin zum Stehenbleiben und nicht Weitergehen reichen. Das man ein Pferd dann zum Weitergehen nicht zwingen darf, sollte jedem klar sein.

Ein Pferd kann sich nicht innerhalb von ein paar Wochen daran gewöhnen ohne Eisen auf hartem, steinigen Boden zu laufen. Manche Pferde haben keine Probleme und manche eben schon. Es kommt auf die Hufe an! Die vorhandene Hufqualität, das heißt das Horn, Sohle, Wölbung usw. die schon da ist, verwandelt sich nicht innerhalb kurzer Zeit.

Im Klartext, man kann nicht die Eisen abmachen um es eine Woche zu probieren und wenn das Pferd fühlig geht, davon ausgehen, dass es Eisen braucht. Das wäre eine falsche Schlussfolgerung.

Ein Huf wächst von oben nach unten. Ein Horn das schon da ist, wird nicht einfach härter und stabiler. Das neue, härtere Horn muss erst gebildet werden und nach unten wachsen. Das dauert im Durchschnitt etwa ein Jahr. Dazu müssen die Haltungsbedingungen und die Hufbearbeitung passen.

Man muss den Hufen und dem Pferd die nötige Zeit geben. Sind die Eisen ab, sollte man regelmäßig mit dem Pferd kurze Strecken auf dem jeweiligen Boden, auf dem es später schmerzfrei gehen soll, spazieren gehen. Besser noch im Auslauf, auf dem das Pferd jeden Tag steht, einen Teil des Bodens so gestalten, wie die Reitwege sind. Es funktioniert nicht, wenn das Pferd 23 h am Tag auf weichem Boden steht und dann eine Stunde am Tag auf Schotter schmerzfrei laufen soll. Es sollte genauso klar sein, dass wenn das Pferd rund um die Uhr auf harten Böden steht, es auf Dauer die Gelenke und Sehnen des Pferdes schädigt.

Aber zum Glück gibt es Alternativen: Hufschuhe

Nattan’s Vorderhufe waren in einem schlechten Zustand, als er zu mir kam. Sehr flach, wenig Sohlenwölbung und so gut wie keine Trachten. Sicher hatte er einmal Hufrehe, was mir von zwei Hufschmieden und einer Hufpflegerin bestätigt wurde. An den Hinterhufen hat er keine Probleme.

Auf längere Sicht wollte ich unsere Ausflüge und Ausritte nicht nur auf weichen Böden und ausgesuchten Wege beschränken. Also musste eine Lösung her, so bin ich auf Hufschuhe gekommen.

Hufschuhe schützen die Hufe vor zu viel Abrieb und empfindliche Hufe vor groben Böden. Im Gegensatz zu Eisen ermöglichen sie dem Huf den natürlichen Hufmechanismus nachzugehen, da sie nicht mit dem Huf fest verbunden sind.

Es hat eine Weile gedauert bis ich die passenden gefunden habe. Da ich mit Hufschuhen noch keine Erfahrung sammeln konnte, wollte ich möglichst welche die in der Handhabung recht einfach sind. Kein umständliches Anziehen und keine komplizierte Befestigung mit viel zu vielen Schnallen und Riemen. Ich wurde fündig…

Die EasyBoot Trail – Hufschuhe!

Hufschuhe

Der Hufschuh hat eine Kunststoffschale. Daran ist fest eine Gamasche angebracht. Diese hat zwei Klettverschlüsse, so hält der Schuh richtig sicher am Huf. Auf dem Bild oben sind außerdem noch die Boa/Old Mac’s Hufschuh Gamaschen zu sehen. Die hatte ich in der Anfangszeit benutzt, denn der Bereich am Ballen und dort wo die Hufschuhe anliegen, muss sich erst an den Hufschuh gewöhnen. Man sollte erst kurze Strecken im Schritt gehen und auch nicht lange. Dann immer weiter ausdehnen und Stückchen für Stückchen länger.

Ich kann zu diesem Hufschuh fast nur positives berichten. Dieser Hufschuh ist vor Allem für Hufschuhneulinge zu empfehlen und auch zur Umstellung auf Barhuf, da er verschiedene Hufformen mit macht (von flachen Hufen zu steileren). Der Hufschuh ist einfach in der Handhabung und die Größenbestimmung war auch nicht schwer. Hufbreite und Huflänge messen, nachdem der Huf frisch bearbeitet wurde. Dann in der Tabelle die passende Größe auswählen.

Das einzige, was ich nach Jahren weniger gut finde ist, dass der Hufschuh an sich sehr starr ist. Er ist logischerweise biegsamer wie ein Eisen, aber für die nächsten Hufschuhe möchte ich vielleicht andere Hufschuhe probieren, die eine flexiblere Sohle haben.

Ansonsten halten die EasyBoot Trail richtig gut, was ich erst nicht gedacht hätte. In der ganzen Zeit, die ich nun diese Schuhe habe, hat sich bisher nur einmal ein Hufschuh gelöst. Er hing nur noch halb am Huf, der Ballen war rausgeschlüpft. Aber das war, weil die Klettverschlüsse schon beim Anziehen nicht ganz sauber waren. Wenn man darauf achtet halten die Hufschuhe sehr viel aus. Auch im tiefen Matsch, wenn der ganze Huf samt Schuh darin verschwindet, bleibt der Schuh dran. Einfach top!

Zur Haltbarkeit nach sechs Jahren und mittlerweile das zweite Paar Hufschuhe kann ich berichten:

Die halten echt lang und viel aus. Machen jeden Matsch mit, jeden Galopp, selbst im tiefen Schnee blieb der Schuh am Huf. Beim ersten Paar ging nach etwa zweieinhalb Jahren eine Naht auf und aufgrund, dass Nattan’s Hufe damals noch sehr flach waren, waren nach dieser Zeit die Schuhe etwas „ausgeleiert“. Mittlerweile hat er das zweite Paar und nicht mehr ganz so flache Hufe, so dass diese noch besser sitzen.

Nattan braucht die Schuhe auch nur, wenn wir ins Gelände gehen. Im Laufstall, Koppel oder auf dem Platz braucht er sie nicht. Ich kann mit Nattan auch ohne Schuhe ins Gelände, wenn es matschig und der Boden weich ist, gerade im Herbst bis ins Frühjahr. Also hat Nattan nicht immer die Schuhe dran, darum kann ich auch weniger über den Abrieb der Hufschuhsohlen berichten.

Trotzdem haben die ersten Paar Schuhe viel und lange ausgehalten. Haben viele Touren (Strecken von 2-3 Stunden am Stück) mitgemacht. Nattan ist mit den Schuhen über Stock und Stein, durch Matsch, Wasser, über gröbsten Schotter gelaufen und sie haben turbulente Galoppstrecken hinter sich gebracht. Und nicht einmal war an Nattan’s Füssen Fell abgeschubbelt oder waren gar irgendwelche Druckstellen.

Also, für Hufschuhneulinge, kann ich die EasyBoot Trail nur empfehlen!

 

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Hier habe ich diese Hufschuhe gekauft:

www.der-hufpflegeshop.de

Weitere Informationen zum Thema Hufe:

www.gesundehufe.com