Reiten

Gedanken zum Reiten von Pferden

Ich wurde gefragt, warum an dem Stall, an dem mein Pferd steht, nicht alle Pferde geritten werden und ob dort überhaupt welche geritten werden. Meine Antwort, ganz einfach, sie müssen doch nicht geritten werden. Weiter kann es natürlich auch aus beruflichen und zeitlichen Gründen daran liegen, dass die Besitzer ihre Pferde nicht reiten.

Pferde sind nicht zum reiten da

Geht es denn allen (zumindest den meisten) Menschen nur darum Pferde zu reiten?

Schaut man sich den Körperbau eines Pferdes an, wo der Rücken ist und die Beine sind, merkt man schnell, genau da wo ein Reiter sitzt sind keine Beine. Sprich, das zusätzliche Gewicht des Reiters wird nicht gestützt. Der Rücken allein muss zum Großteil dieses Gewicht tragen und alle zusätzlichen Kräfte abfangen.

Trotzdem geht es. Aber nur weil es geht, muss es sein?

Ganz klar NEIN

Ich reite mein Pferd auch. Trotzdem steht mein Pferd an erster Stelle und nicht das Reiten. Könnte ich aus was auch immer für Gründen mein Pferd nicht mehr reiten, wäre das kein Weltuntergang für mich. Ein Pferd ist nicht dazu da den Menschen zu tragen.

Pferde sind einfach da um zu leben. Wie Vögel, Hunde, Kaninchen, Hamster, Rehe, Fische, Enten, Füchse, Schweine, Ziegen, Rinder… eben alle Lebewesen die es auf der Welt gibt. Einschließlich der Menschen.

Jedes Lebewesen hat das Recht auf dieser Welt zu sein, um einfach zu leben, die Sonne genießen, den Wind zu spüren, die Erde unter sich zu fühlen. Keines ist dafür da, einem anderen zu dienen.

Warum ich trotzdem reite

Ich reite mein Pferd, damit wir Ausflüge machen, die Natur erleben, zusammen etwas erleben, die Natur erkunden und mehr und mehr zusammen wachsen.

Das alles geht natürlich auch ohne zu Reiten, in dem ich einfach zu Fuß mit meinem Pferd gehe. Spazieren gehe wie mit meinem Hund.

Ich war schon an dem Punkt, das Reiten gänzlich aufzuhören. Warum ich es trotzdem tue ist, es ist herrlich getragen zu werden, keine Frage. Im schnellen Galopp durch die Landschaft streifen, dieses Gefühl was man dabei hat, von einem so großen Lebewesen „mitgenommen“ zu werden, bekommt man nirgends sonst. Mit meinem Gewissen vereinbare ich es so, dass ich auch diejenige bin, die das Futter zahlt, ihn umsorge, immer für ihn da bin. Ich trage die Verantwortung für ihn, das es ihm gut geht und er gesund bleibt. Dafür soll er mich zeitweise auf seinem Rücken tragen.

Ich bin immer bemüht mich weiterzuentwickeln und zu wachsen, meinem Pferd Respekt und Vertrauen entgegen zu bringen. Als Dank dafür bringt er mir sein Vertrauen entgegen und ich kann mich auf ihn verlassen. Das größte Geschenk, das ein Tier einem Menschen geben kann.

Wie ich reite

Ich reite mein Pferd ohne Sattel, einfach aus dem einzigen Grund, weil es schöner ist. Zuerst ließ ich Sperrriemen weg, dann den Sattel, dann tauschte ich die Trense gegen Sidepull und Kappzaum. So gehen wir ins Gelände nur mit Kappzaum oder Sidepull. Und das nun schon seit Jahren.

Das geht natürlich nicht von heute auf morgen und nicht jeder kann es mit jedem Pferd. Es ist ein Weg, der auf Vertrauen aufbaut. Und vor allem, überhaupt wie ich mit meinem Pferd umgehe. Ist es schon aufgeregt wenn ich mit ihm aus dem Stall gehe, zählt beim Ausreiten nur das Laufen, ist es von Anfang an so und man unterstützt das noch, kennt das Pferd es auch nicht anders. Es verbindet Ausreiten mit Aufregung. Oft wird dieses Verhalten fehlinterpretiert und als „lauffreudig“ betitelt.

Wenn ich mit meinem Pferd in die Halle gehe, reite ich meistens nicht. Ich mache hauptsächlich Freiarbeit vom Boden aus. Ich lasse mein Pferd nicht stupide um mich herum laufen, sondern laufe mit ihm mit. Dabei verfolge ich keine bestimmte „Art“, sondern schaue, wie mein Pferd drauf ist, auf was er Lust hat, wie ich ihn motivieren kann und ganz wichtig, dass wir zusammen Spaß haben.

Bodenarbeit ist wichtig

Überhaupt finde ich, sollte jede Zusammenarbeit mit einem Pferd vom Boden aus anfangen. Sind hier schon kleine Ungereimtheiten was das Vertrauen und Miteinander angeht, braucht man schon gar nicht erst drauf sitzen. Klar, mit Sattel, Trense und Sperrriemen umgeht man diese Ungereimtheiten. Man macht es sich einfach.

Aber ist das der Weg, den du gehen willst? Ich nicht, ich bin schon lange in eine andere Richtung gegangen. Und damit bin ich nicht die einzige.


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